Pflege-Finder

Druck entlasten, beobachten oder Wundteam holen?

Eine teure Auflage ersetzt keine Druckentlastung. Hautzustand und Infektionszeichen bestimmen den nächsten Schritt.

Stand: 11.07.2026, Quellen am Seitenende.

Was dieser Finder kann: Der Finder hilft bei der Auswahl des nächsten Schritts. Er klassifiziert keine Wunde und gibt keine individuelle Verbandanweisung.
Wie sieht die Stelle aus?
Gibt es Infektionszeichen?
Beantworte die Fragen. Danach erscheint eine passende Orientierung mit Grenzen und nächsten Schritten.
Deine Orientierung

Druckentlastung und Hautkontrolle planen

Bei intakter gefährdeter Haut zählen Positionswechsel, geeignete Sitz- oder Liegeflächen und tägliche Kontrolle. Ringkissen und improvisierte Lösungen können Druck ungünstig verteilen.

Was jetzt sinnvoll ist

  • Gefährdete Stellen täglich kontrollieren
  • Bewegung und Lagewechsel individuell planen
  • Pflegeberatung zur passenden Entlastung nutzen
Bitte abklären:
  • Rötung bleibt nach Entlastung bestehen
  • Neue Schmerzen
  • Blasen oder dunkle Verfärbung

Begriffe für die Produktsuche: Dekubitusprophylaxe Matratze, Sitzkissen Druckentlastung. Die Begriffe sind keine Produktempfehlung.

Deine Orientierung

Anhaltende Rötung noch heute beurteilen lassen

Eine nicht wegdrückbare oder anhaltende Rötung kann ein frühes Druckgeschwür sein. Hautpflege allein reicht dann nicht.

Was jetzt sinnvoll ist

  • Stelle sofort konsequent entlasten
  • Pflegefachperson oder Arzt kontaktieren
  • Verlauf fotografisch und zeitlich dokumentieren
Bitte abklären:
  • Dunkle oder violette Verfärbung
  • Blase oder offene Stelle
  • Starke Schmerzen
Deine Orientierung

Offene oder möglicherweise infizierte Wunde professionell versorgen

Wundauflagen werden nach Ursache, Tiefe, Sekret und Wundumgebung gewählt. Offene oder infizierte Wunden gehören in fachliche Beurteilung.

Was jetzt sinnvoll ist

  • Wundteam, Pflegedienst oder Arzt kontaktieren
  • Keine wechselnden Hausmittel auftragen
  • Druckentlastung parallel sicherstellen
Bitte abklären:
  • Fieber oder Schüttelfrost
  • Rasche Ausbreitung der Rötung
  • Schwarzes Gewebe oder übler Geruch
Wichtig: Der Finder stellt keine Diagnose und ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei akuten, starken oder unklaren Beschwerden bitte medizinisch abklären lassen.

Hilft eine Dekubitusmatratze gegen Druckgeschwüre?

Eine Dekubitusmatratze oder eine druckentlastende Auflage kann das Risiko für ein Druckgeschwür senken. Sie ersetzt aber nicht die wichtigste Maßnahme, nämlich den regelmäßigen Wechsel der Liege- oder Sitzposition. Wie oft umgelagert wird, richtet sich nach der Person und nach der Haut. Es gibt kein festes Intervall, das für alle passt. Zu häufiges Umlagern kann auch den Schlaf stören und ist nicht automatisch besser.

Nicht jede beliebte Lösung ist sinnvoll. Von Schaffellen raten Fachleute eher ab, weil sich darunter Wärme staut und die Reinigung aufwendig ist. Auch Fersenschoner werden kritisch gesehen, weil viele Menschen sie als unangenehm empfinden. Wichtiger als das einzelne Produkt ist die tägliche Kontrolle der gefährdeten Hautstellen, damit eine beginnende Schädigung früh auffällt und der Druck rechtzeitig genommen wird.

Wonach richten sich Wundauflagen?

Wundauflagen werden nicht nach Preis oder Werbung ausgewählt, sondern nach dem Zustand der Wunde. Es gibt sehr verschiedene Materialien, etwa Hydrogele, Hydrokolloide oder alginat- und silberhaltige Auflagen. Sie sollen Flüssigkeit aufnehmen und die Wunde vor Keimen schützen. Welche Auflage passt, hängt von Tiefe, Menge des Sekrets und der Haut um die Wunde ab. Deshalb plant eine Ärztin oder ein Arzt die Versorgung.

Gewechselt wird eine Auflage meist nach einigen Tagen oder wenn sie durchweicht ist, nicht nach einem starren Plan. In vielen Fällen begleitet eine Pflegefachkraft mit Erfahrung in der Wundversorgung den Verlauf. Für Angehörige heißt das, eine allgemeine Produktliste reicht bei einer offenen Wunde nicht aus. Die Auswahl der passenden Auflage gehört zur ärztlichen Behandlung dazu.

Wann muss die Dekubitus-Behandlung ärztlich geplant werden?

Eine Rötung, die sich nicht wegdrücken lässt oder länger bestehen bleibt, kann ein sehr frühes Druckgeschwür sein. Hautpflege allein reicht dann nicht, und die Stelle sollte zeitnah beurteilt werden. Bei einer offenen Wunde beginnt die eigentliche Dekubitus-Behandlung. Sie besteht aus Druckentlastung, Wundreinigung und passenden Auflagen. Diese drei Schritte greifen ineinander und werden ärztlich geplant.

Bessert sich ein Druckgeschwür nach etwa zwei Wochen gar nicht, steckt oft eine Infektion dahinter. Dann sind Mittel gegen Keime nötig, die ärztlich verordnet werden. Anzeichen wie zunehmende Rötung, Wärme, Geruch oder Fieber sollten Angehörige ernst nehmen und melden. Auch während der Behandlung bleibt die regelmäßige Druckentlastung entscheidend, damit die Wunde überhaupt abheilen kann.

Quellen zu diesem Abschnitt: